Ratgeber · 7 Min Lesezeit
Stilistik: zehn kleine Eingriffe, die jeden Text besser machen
Aktive Verben statt Passiv, kurze Sätze statt Schachtelei, konkrete Wörter statt Floskeln. Mit Vorher/Nachher-Beispielen.
Mateusz Viola · Autor
Aktualisiert:
Grammatik kann fehlerfrei sein und der Text trotzdem schwer lesbar. Stil entscheidet, ob jemand bis zum Ende liest oder nach dem zweiten Satz wegklickt. Zehn kleine Eingriffe verbessern fast jeden Text spürbar.
1. Aktiv statt Passiv
Passivkonstruktionen wirken bürokratisch und nehmen dem Satz die Energie.
- Passiv: Die Entscheidung wurde von der Geschäftsführung getroffen.
- Aktiv: Die Geschäftsführung traf die Entscheidung.
Passiv hat Berechtigung, wenn der Handelnde unbekannt ist oder nicht wichtig ist („Das Haus wurde 1850 gebaut”). Im Alltagstext aber sparsam einsetzen.
2. Konkrete Verben statt Streck-Verb-Konstruktionen
„Eine Entscheidung treffen” ist umständlicher als „entscheiden”. Die Streckverben (machen, treffen, gelangen, vornehmen) bläht den Satz auf.
- Schwach: zur Anwendung bringen → besser: anwenden
- Schwach: eine Entscheidung treffen → besser: entscheiden
- Schwach: in Erwägung ziehen → besser: erwägen
- Schwach: zur Durchführung gelangen → besser: durchgeführt werden (oder Aktiv)
3. Kurze Sätze
Schachtelsätze mit drei Nebensätzen und zwei Einschüben verlieren den Leser. Faustregel: Wenn ein Satz über zwei Zeilen geht, schauen, ob man teilen kann.
- Lang: Obwohl wir, wie schon mehrfach erwähnt, der Meinung sind, dass die Maßnahmen, die letzte Woche beschlossen wurden, nicht ausreichen, werden wir trotzdem zustimmen.
- Kurz: Wir halten die Maßnahmen für unzureichend. Trotzdem stimmen wir zu.
4. Substantivierung vermeiden
Viele Substantive auf -ung, -keit, -heit, -ation machen Texte abstrakt und schwer.
- Substantiviert: Die Durchführung der Untersuchung erfolgt nach Beendigung der Datenerhebung.
- Verbal: Wir untersuchen die Daten, sobald wir sie alle erhoben haben.
5. Konkrete Wörter statt Floskeln
„Im Rahmen von”, „in Bezug auf”, „bezüglich” — alles Füllwörter, die wenig sagen.
- Floskel: Im Rahmen unserer Marketingstrategie möchten wir …
- Konkret: Für unser Marketing möchten wir …
6. Streichen, was nicht gebraucht wird
Adjektive und Adverbien, die nichts hinzufügen, weg.
- Aufgebläht: Die wirklich sehr wichtige und absolut entscheidende Frage ist …
- Knapp: Die entscheidende Frage ist …
„Wirklich”, „eigentlich”, „durchaus”, „letztlich” sind oft Streichkandidaten.
7. Konsistente Tempi
Wer im Präsens beginnt, sollte nicht plötzlich ins Präteritum wechseln (oder umgekehrt). Tempus-Wechsel verwirrt.
- Inkonsistent: Sie kommt rein und setzte sich.
- Konsistent: Sie kommt rein und setzt sich. (oder beide im Präteritum)
8. Vermeiden, was klingt wie Schule
„Es lässt sich feststellen, dass …”, „im Folgenden wird gezeigt, dass …”, „abschließend lässt sich sagen”. Sind formelhafte Schulaufsatz-Phrasen, die nichts beitragen.
- Schulaufsatz: Es lässt sich feststellen, dass die Verkäufe gestiegen sind.
- Direkt: Die Verkäufe sind gestiegen.
9. Variable Satzanfänge
Sätze, die alle mit „Ich” oder „Wir” beginnen, wirken monoton.
- Monoton: Ich denke, das ist gut. Ich habe es geprüft. Ich werde es vorstellen.
- Variabel: Das halte ich für gut. Geprüft habe ich es bereits. Vorstellen werde ich es morgen.
10. Lautes Vorlesen
Der wichtigste Test: jeden Text vor der Veröffentlichung einmal laut lesen. Was man nicht gut sprechen kann, liest sich auch schlecht. Holpernde Stellen werden beim Vorlesen sofort hörbar.
Was unser Prüfer abdeckt
Unser Grammatik-Prüfer fängt Grammatik, Rechtschreibung und Zeichensetzung ab, plus ein paar Stil-Hinweise (Anglizismen, doppelte Verneinung, „macht Sinn”). Echten Stil — Satzlänge, Satzanfänge, Substantivierungen — kann nur ein menschliches Lektorat verbessern. Aber wer die zehn Punkte oben einmal verinnerlicht hat, schreibt automatisch besser.