Ratgeber · 6 Min Lesezeit
Der Genitiv stirbt nicht: wegen, während, trotz und Co.
Welche Präpositionen den Genitiv verlangen, warum der Dativ umgangssprachlich um sich greift und wann beides geht.
Jan-Tristan Rudat · Autor
Aktualisiert:
„Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod” lautet der Titel eines bekannten Buchs von Bastian Sick. Tatsächlich verdrängt der Dativ in der Umgangssprache den Genitiv bei vielen Präpositionen. In der Standardsprache verlangen aber etliche Präpositionen weiterhin den Genitiv — wer in formellen Texten überzeugt, sollte die Liste kennen.
Präpositionen, die Genitiv verlangen
In der schriftsprachlichen Standardvariante stehen mindestens die folgenden Präpositionen mit Genitiv:
| Präposition | Beispiel |
|---|---|
| wegen | wegen des Wetters |
| während | während der Vorlesung |
| trotz | trotz des Regens |
| aufgrund | aufgrund der Daten |
| (an)statt | statt eines Buches |
| (in)mitten | inmitten der Menge |
| jenseits | jenseits der Berge |
| diesseits | diesseits der Grenze |
| oberhalb | oberhalb der Wolken |
| unterhalb | unterhalb des Hangs |
| innerhalb | innerhalb einer Stunde |
| außerhalb | außerhalb der Stadt |
| angesichts | angesichts der Lage |
| zugunsten | zugunsten des Kindes |
| zulasten | zulasten der Allgemeinheit |
| anhand | anhand der Tabelle |
| anlässlich | anlässlich des Jubiläums |
| infolge | infolge des Unfalls |
| hinsichtlich | hinsichtlich der Kosten |
| bezüglich | bezüglich Ihrer Anfrage |
| mittels | mittels eines Hebels |
Nicht alle sind im Alltag relevant, aber alle stehen in formellen Texten besser mit Genitiv.
Warum der Dativ um sich greift
Der Genitiv klingt für viele heute formell oder gar steif. Im gesprochenen Deutsch ersetzt der Dativ ihn oft:
- Standard: wegen des Wetters
- Umgangssprache: wegen dem Wetter
In den meisten dieser Fälle ist die Dativ-Variante nicht streng falsch, aber stilistisch schwächer. Im Geschäftsbrief, in akademischen Texten oder in der Presseberichterstattung sollte man den Genitiv wählen.
Ausnahmen — Dativ ist hier ok
Es gibt Fälle, in denen der Dativ entweder Standard ist oder gleichwertig:
- Stark-deklinierte Substantive ohne Artikel: „wegen Beratungen” (eigentlich „wegen Beratungen” Genitiv, aber Endung -en doppeldeutig). Lösung: meist umformulieren.
- Personennamen mit Endung-s: „wegen Annas Verspätung” — Genitiv-s am Namen wirkt seltsam mit dem zweiten Genitiv. Standard: „wegen der Verspätung von Anna”.
- Erstarrte Wendungen: „trotz allem”, „trotz allem Streben” — hier ist „trotz” mit Dativ usuell.
- „dank”: Die Präposition „dank” kann beides — sowohl Genitiv („dank des Hinweises”) als auch Dativ („dank dem Hinweis”). Beide gelten als Standard.
Was ist mit „statt” / „anstatt”?
Auch hier ist Genitiv die Standard-Norm, in Verbindung mit unflektierten Substantiven ist aber Dativ üblich geworden:
- Genitiv: statt eines neuen Buches → standardsprachlich
- Dativ-Akzeptanz: statt einem neuen Buch → akzeptabel
Bei sehr kurzen Konstruktionen wird der Dativ besonders häufig akzeptiert: „statt mir”, „statt ihm”.
Wie der Prüfer das markiert
Unser Grammatik-Prüfer markiert „wegen”, „während”, „trotz” + Dativ als info-level-Hinweis, nicht als Fehler. Das ist bewusst weich: bei Dialog-Text oder Blog-Beiträgen ist Dativ oft gewollt. In formellen Texten ist die Empfehlung aber klar Genitiv.
Faustregeln zum Mitnehmen
- In formellen Texten (Behörden, Wissenschaft, Geschäftskorrespondenz): Genitiv.
- In Alltagstexten (E-Mail an Freunde, Social Media): Dativ ist meist okay.
- Im Zweifel: Genitiv ist immer richtig, Dativ kann schiefgehen.
- Bei umständlichen Konstruktionen: lieber umformulieren mit „durch”, „von” oder „aufgrund” + Genitiv.