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Ratgeber · 6 Min Lesezeit

Anglizismen erkennen: „macht Sinn", „in 2026" und die unsichtbaren Lehnübersetzungen

Lehnübersetzungen aus dem Englischen schleichen sich unbemerkt ins Deutsche. Liste der häufigsten und wie man sie korrigiert.

Jan-Tristan Rudat

Jan-Tristan Rudat · Autor

Aktualisiert:

Manche Anglizismen sind offensichtlich: Smartphone, Workshop, Coffee-to-go. Schwieriger sind die Lehnübersetzungen — Konstruktionen, die wörtlich aus dem Englischen übertragen wurden, aber im Deutschen so eigentlich nie existierten. Sie fühlen sich natürlich an, weil sie überall stehen, sind aber stilistisch problematisch.

„macht Sinn” / makes sense

Der wohl bekannteste Fall. Im Deutschen ergeben Dinge Sinn, sie machen ihn nicht.

  • ❌ Das macht Sinn.
  • ✓ Das ergibt Sinn.
  • ✓ Das ist sinnvoll.

Wer den Anglizismus loswerden will, ersetzt ihn durch „ergibt Sinn” oder „ist sinnvoll”. In der gesprochenen Sprache hat sich „macht Sinn” so weit etabliert, dass viele es gar nicht mehr als falsch empfinden — in geschriebenen Texten bleibt es trotzdem stilistisch schwächer.

„in 2026” / in 2026

Eine Jahreszahl steht im Deutschen ohne Präposition oder mit „im Jahr”.

  • ❌ Das passierte in 2026.
  • ✓ Das passierte 2026.
  • ✓ Das passierte im Jahr 2026.

Das englische „in 2026” wird gern eins zu eins übernommen, ist aber unidiomatisch.

„nicht wirklich” / not really

„Not really” ist im Englischen eine höfliche Verneinung. Im Deutschen klingt „nicht wirklich” oft unbeholfen.

  • ❌ Das ist nicht wirklich neu.
  • ✓ Das ist nicht besonders neu.
  • ✓ Das ist eigentlich nicht neu.

„realisieren” für „begreifen”

„To realize” bedeutet im Englischen „begreifen, erkennen”. Im Deutschen meint „realisieren” eigentlich „umsetzen, verwirklichen”.

  • Unsauber: Ich habe realisiert, dass er Recht hat.
  • Klarer: Ich habe begriffen, dass er Recht hat.
  • Klarer: Mir wurde klar, dass er Recht hat.

„in Bezug auf” und „in Hinblick auf”

Sind keine Anglizismen, aber inflationär verwendet. Oft tut es ein einfaches „zu”, „bei” oder „über”:

  • Umständlich: In Bezug auf Ihre Anfrage möchten wir mitteilen …
  • Klarer: Zu Ihrer Anfrage: …

„Es gibt keine Wörter, um zu beschreiben” / „There are no words to describe”

Wörtliche Übersetzung englischer Strukturen. Im Deutschen formelhaft, oft pompös.

  • Schwach: Es gibt keine Wörter, um zu beschreiben, wie sehr …
  • Natürlich: Ich kann gar nicht sagen, wie sehr …

„checken” für „prüfen”

„Checken” hat sich teilweise im Deutschen etabliert (Hotel einchecken, Mails checken), aber in formellen Texten lieber „prüfen”, „kontrollieren”, „nachsehen”.

„Sinn machen” vs. „Sinn ergeben” — der Streit

Sprachwissenschaftler streiten seit Jahren, ob „macht Sinn” noch ein Anglizismus oder bereits ein etabliertes Deutsch ist. Der Duden hat es längst aufgenommen, akzeptiert es aber als „besonders im gesprochenen Deutsch”. In sauberer Schriftsprache bleibt „ergibt Sinn” die bessere Wahl.

Liste häufiger Lehnübersetzungen

AnglizismusBesser im Deutschen
macht Sinnergibt Sinn
in 20262026 / im Jahr 2026
realisieren (= begreifen)begreifen, erkennen
nicht wirklichnicht besonders, eigentlich nicht
Sinn aus etwas machenSinn aus etwas ableiten
am Ende des Tagesletztlich, schlussendlich
Es gibt keine Wörter …Ich kann nicht in Worte fassen …
das beste je …das beste, das es je gab …
in der Lage sein zukönnen
im Begriff sein zuim Begriff stehen, gerade …
eine Differenz macheneinen Unterschied machen, etwas bewirken

Warum sich das lohnt

Wer auf Lehnübersetzungen verzichtet, schreibt klarer und kürzer. „Macht Sinn” sind drei Wörter, „ergibt Sinn” auch — gewonnen wird kein Platz. Aber das deutsche Idiom liest sich runder, und vor allem in der Schriftsprache fällt der Anglizismus auf wie ein Tippfehler. Wer im Geschäftskontext einen seriösen Eindruck machen möchte, fällt mit „macht Sinn” am Ende sogar negativ auf.

Was der Prüfer macht

Unser Grammatik-Prüfer markiert „macht Sinn” und „in 2026” als info-level-Hinweis. Wer den Hinweis ignoriert, verliert nichts. Wer ihn aufgreift, schreibt sauberer.

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