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Kommasetzung systematisch: die fünf wichtigsten Regeln

Ratgeber · 7 Min Lesezeit

Kommasetzung systematisch: die fünf wichtigsten Regeln

Komma vor aber/denn/sondern, vor Relativsätzen, vor Infinitivgruppen, in Aufzählungen und bei Nebensätzen — mit Beispielen.

Mateusz Viola

Mateusz Viola · Autor

Aktualisiert:

Die Kommasetzung wirkt willkürlich, ist es aber nicht. Mit fünf Regeln lassen sich rund 90 Prozent aller Kommas korrekt setzen. Hier der systematische Überblick.

Regel 1: Komma zwischen Hauptsätzen mit „aber”, „denn”, „sondern”

Verbinden diese drei Konjunktionen zwei vollständige Hauptsätze (jeweils mit Subjekt und finitem Verb), steht ein Komma davor.

  • Ich kam, aber er ging.
  • Sie schwieg, denn sie war müde.
  • Wir nahmen nicht den Bus, sondern liefen.

Bei „und” und „oder” ist das Komma in dieser Position optional, traditionell entfällt es:

  • Ich kam und er ging. (oder mit Komma)
  • Magst du Tee oder bevorzugst du Kaffee?

Regel 2: Komma bei Nebensätzen

Nebensätze werden durch Subjunktoren (weil, dass, wenn, obwohl, während, bevor, als, …) eingeleitet und durch ein Komma vom Hauptsatz getrennt.

  • Sie bleibt zu Hause, weil sie krank ist.
  • Wenn du Zeit hast, ruf mich an.
  • Ich erinnere mich, dass wir uns kennen.

Ist der Nebensatz eingeschoben, steht das Komma beidseitig:

  • Das Buch, das ich gestern las, war spannend.

Regel 3: Komma bei Relativsätzen

Relativsätze sind Nebensätze und werden immer durch Kommas abgetrennt. Sie beginnen mit Relativpronomen (der, die, das, welche, dessen, deren, …) oder mit Relativadverbien (wo, wann, wie).

  • Die Frau, die dort steht, ist meine Schwester.
  • Das Café, wo wir uns trafen, hat geschlossen.
  • Sie kam erst zum Zeitpunkt, als wir schon fast aufgaben.

Regel 4: Komma bei erweiterter Infinitivgruppe

Vor einer erweiterten Infinitivgruppe mit „ohne zu”, „um zu”, „(an)statt zu”, „außer zu”, „als zu” steht ein Komma.

  • Er kam, um zu helfen.
  • Sie schwieg, ohne nachzudenken.
  • Wir blieben, anstatt zu gehen.

„Erweitert” heißt: die Infinitivgruppe hat mehr als nur das Verb. „Sie hofft zu gewinnen.” (nicht erweitert) braucht kein Komma.

Regel 5: Kein Komma vor „und” in Aufzählungen

Anders als das englische Oxford-Komma steht im Deutschen vor „und” in einer Aufzählung gleichrangiger Begriffe kein Komma.

  • Brot, Käse, Wurst und Tomaten.
  • Wir kauften Birnen, Äpfel, Bananen und Trauben.

Die häufigsten Stolperfallen

Falsches Komma bei „und”:

  • ❌ Brot, Käse, und Wurst.
  • ✓ Brot, Käse und Wurst.

Fehlendes Komma vor Relativsatz:

  • ❌ Das Buch das ich las.
  • ✓ Das Buch, das ich las.

Fehlendes Komma vor erweiterter Infinitivgruppe:

  • ❌ Er kam um zu helfen.
  • ✓ Er kam, um zu helfen.

Komma im Subjunktor-Nebensatz fälschlich vor „aber”:

  • ❌ Sie sagte, weil sie müde war, aber, dass sie bleiben würde.
  • ✓ Sie sagte, weil sie müde war, dass sie bleiben würde. (oder neu strukturieren)

Strittige Bereiche

Manche Konstruktionen sind selbst Sprachwissenschaftlern nicht ganz klar:

  • Nachgestellte Erläuterung mit „nämlich/das heißt”: Optional mit Komma, meist mit.
  • Höflichkeitsanreden: „Sehr geehrte Frau Müller,” — mit Komma.
  • Apposition: „Herr Müller, mein Nachbar, kam zu spät.” — mit beidseitigem Komma.

Im Zweifel: lieber ein Komma setzen, das die Struktur deutlich macht, als gar keins.

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